Gesundheit2030 - die Zukunft des Schweizer Gesundheitssystems

Im Dezember 2019 hat der Bundesrat seine gesundheitspolitische Strategie für die Periode 2020–2030 veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Gesundheitspolitik stehen neben der Behandlung von Krankheiten und Finanzierung der sozialen Krankenversicherung, die Prävention und Gesundheitsförderung.

Die Strategie Gesundheit2030 basiert auf den folgenden vier Herausforderungen:

  • den technologischen und digitalen Wandel
  • die demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen
  • den Erhalt einer qualitativ hohen und finanziell tragbaren Versorgung und
  • die Chancen auf ein Leben in Gesundheit

Mit 8 Zielen, wie beispielsweise Gesundheitskompetenz stärken und 16 Massnahmen soll den beschriebenen Herausforderungen begegnet werden. Mit Gesundheit2030 wird die bestehende Strategie Gesundheit2020 abgelöst. Von den über 90 Projekten, die im Rahmen von Gesundheit2020 gestartet wurden, sind erst 23 abgeschlossen. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) soll ein Teil der noch nicht abgeschlossenen Projekte im Rahmen von Gesundheit2030 weiterbearbeitet werden.


Diese Vorgehensweise kontrastiert deutlich mit den Inhalten des im Frühling 2019 veröffentlichten Positionspapier «Nachhaltige Entwicklung des Gesundheitssystems» der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW). Mit «Weiter wie bisher» lasse sich das Gesundheitssystem nicht reformieren. Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit seien Reformen, die sich an gemeinsamen Zielen orientierten, so die grundsätzliche Forderung des SAMW-Teams. Konkret wird eine Orientierung am «Triple Aim»-Konzept» vorgeschlagen. Dieses wurde 2007 vom Institute for Health Care Improvement in Boston (USA) entwickelt. Es dient als Kompass bei der Formulierung von Zielen, die individuelle, gesellschaftliche und nachhaltige Perspektiven mitberücksichtigen. Auf diese Weise soll ein Koordinatensystem geschaffen werden, auf das die langfristige Entwicklung des Gesundheitssystems ausgerichtet werden kann.


Anstelle einer Einbindung von unterschiedlichen Perspektiven und Orientierung an gemeinsamen Zielen begnügt sich der Bundesrat mit der Feststellung: «Die Strategie macht die Gesundheitspolitik des Bundes sichtbar und zeigt auf, wo andere Akteure der Gesundheitspolitik Verantwortung tragen. Sie geht von der geltenden Aufgabenverteilung zwischen Bund und Kantonen aus.» Also doch weiter wie bisher! Es bleibt die Hoffnung, dass die SAMW Lösungsvorschläge und Sofortmassnahmen vom BAG als Grundlage für die Realisierung der erstrebenswerten Vision Gesundheit2030 genutzt werden.


«Die Menschen in der Schweiz leben unabhängig von ihrem Gesundheitszustand und ihrem sozioökonomischen Status in einem gesundheitsförderlichen Umfeld. Sie profitieren von einem modernen, qualitativ hochwertigen und finanziell tragbaren Gesundheitssystem.»  Vision Gesundheit2030