Strategiearbeit: ‘Diesen Spagat muss man aushalten können!’

Das MP Expertengespräch mit Franziska Berger, CEO Spital Lachen SZ und Verwaltungsrätin in weiteren Organisationen des Gesundheitswesens.


Frau Berger, Sie sind als CEO am Spital Lachen in einem operativen Leitungsgremium und als Verwaltungsrätin in strategischen Gremien tätig, sie kennen die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ziele der Stakeholder aus eigener Erfahrung. Organisationen im Gesundheitswesen müssen den Ansprüchen von verschiedenen Interessengruppen gerecht werden. Beispielsweise verlangen die Mitarbeitenden mehr Lohn, während die Trägerschaft einen höheren Cashflow für künftige Investitionen fordert. Wie gehen Sie mit solchen Zielkonflikten um?  Ja, diesen Spagat muss man aushalten können! Dabei ist wichtig, nicht einfach auf die lautesten Rufer zu hören, sondern den tatsächlichen Grund für die Forderungen zu erkennen. Eine langfristige Steigerung der Zufriedenheit erreicht man meiner Erfahrung nach eher in dem man neue Stellen schafft und den einzelnen entlastet. Die Qualität der Versorgung muss stimmen – daran werden Kliniken heute gemessen. Die Patienten sind sensibilisiert, und der Konkurrenzdruck nimmt weiter zu. Auf der anderen Seite stehen aktuell viele Spitäler vor der Herausforderung, grosse Investitionen zu Tätigen oder gar ein Neubauprojekt zu realisieren. Damit sie an einen Kredit kommen, darf der Personalkostenanteil nicht mehr als 60% des Gesamtumsatzes betragen und der EBITDA muss – je nach Finanzinstitut – zwischen 8.0 und 10% erreichen. Die Frage nach der richtigen Finanzstrategie in einer solchen Organisation ist eine enorme Herausforderung.

Die Rolle der Regionalspitäler wird aktuell intensiv diskutiert und es gibt Bestrebungen, die Anzahl dieser Spitäler deutlich zu reduzieren. Wo sehen Sie die Zukunft der Regionalspitäler? Ich bin überzeugt, dass die regionale Verankerung und der integrative Ansatz in Zukunft noch wichtiger sein werden. Für die älter werdende Bevölkerung ist eine wohnortnahe und qualitativ hochstehende Versorgung von enormer Bedeutung. Eine enge Zusammenarbeit mit den Hausärztinnen und Hausärzten kann beispielsweise dabei helfen, Doppelspurigkeiten in der Diagnostik und Therapie zu vermeiden und unnötige Kosten zu verhindern. Gleichzeitig werden hingegen Kooperationen mit Universitätsspitälern an Bedeutung gewinnen. In den hochspezialisierten Disziplinen, wie zum Beispiel in der Onkologie und der Radiologie werden sie das Leistungsspektrum der Grundversorger zunehmend erweitern und dabei dafür sorgen, dass das Leistungsangebot der Regionalspitäler den neusten Anforderungen entspricht.

Mit der eHealth Strategie will der Bundesrat das elektronische Patientendossier, die eMedikation sowie die digitale Unterstützung der Behandlungsprozesse fördern. Gleichzeitig lesen wir in der Presse, dass das ePatientendossier nicht vom Fleck kommt. Was ist auf der strategischen Ebene zu tun? Ein grosses Problem stellt das Fehlen einer eindeutigen Identifikationsnummer, wie beispielsweise die AHV-Nummer, dar. Da der geltende Datenschutz den Einsatz die AHV-Nummer verbietet, ist es notwendig auf einer übergeordneten Ebene eine Lösung zu entwickeln, denn isolierte Vorgehensweisen seitens einzelner Organisationen sind für die angestrebte Vernetzung nicht zielführend. Gleichzeitig stellen wir fest, dass momentan die Nachfrage seitens der Patienten kaum gegeben ist!


Frau Berger, Sie arbeiten in verschiedenen Verwaltungsräten im Gesundheitswesen aktiv mit. Damit gehören Sie zu einer Minderheit, denn Frauen sind auch im Gesundheitswesen in den strategischen Gremien untervertreten. Was empfehlen Sie Frauen, die eine strategische oder operative Führungsfunktion anstreben?  Ich ermuntere jede Frau, ihr Netzwerk zielgerichtet auszubauen, aktives Networking zu betreiben und den Kontakt zu spezialisierten Vermittlern zu pflegen. Auch heute wird die Mehrheit der Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmandate über Direktansprache besetzt, daher gehört auch etwas Glück dazu. Frauen, die zusätzlich zu einem Fachbereich Kompetenzen im Finanzmanagement mitbringen, verfügen über sehr gute Chancen.


Franziska Berger, ist Pflegefachfrau mit einem Bachelor of Science in Pflege. Zusätzlich hat sie diverse Managementaus bildungen absolviert, u.a. CAS in Entrepreneurship (Uni Bern) und MAS in Health Care Management (FH St. Gallen). Zu ihren beruf-lichen Stationen zählen: Pflege-direktorin in den Spitälern Münsingen, Bülach und Spital Netz Bern. Im Spital Bülach war sie auch als stv. CEO tätig. Seit Januar 19 ist sie CEO im Spital Lachen. Als Verwaltungsrätin engagiert sie sich bei Wirna Vita AG und im Regionalspital Emmental AG.